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Die Maskerade

Foto: Dominik Vanyi on Unsplash

Filmemacher: „Schnitt, Schnitt!

Regierungssprecher: „Frau Kanzlerin, sie haben es heute wunderbar gemacht. Diese Rede mitsamt der allseits bekannten Floskeln kam heute besonders stark rüber.“

Staatschefin: „Danke, mein Seiffert. Aber sage mir doch, weshalb haben wir nun schon wieder dazu ermutigt durchzuhalten?“

Regierungssprecher: „Nun Frau Chefin, sie haben bereits gleich zu ihrem Amtsantritt klar gemacht, dass sie die ganze Welt retten möchten, koste es was es wolle. Doch bereits während ihrer ersten Amtszeit hat sich gezeigt, dass das so nicht möglich ist ohne die eigenen Bürger zu entmündigen. Deshalb rufen wir bei jeder Krise, die wir im Grunde selbst verursachen dazu auf, dem eigenen Gewissen zu gehorchen.“

Staatschefin: „Oh stimmt, das Allheilmittel. Wenn alle Argumente ausgehen, muss man einfach schweigen.“

Regierungssprecher: „Richtig gesagt, wie immer. Denn damit ist die Zauberformel gelungen, dass wir uns einer gewaltlosen und aufrichtigen Art und Weise bedienen, die man bei aller Offensichtlichkeit argumentativ nicht demaskieren kann.

Der (gesichtslose) Büroherrscher: „Macht ihr nicht einen Fehler, dass ihr annimmt, eure Erledigungen seien außerhalb eurer Dienstzeit geschehen? Denn auf so hoher Position gibt es rein gar nichts mehr, was nicht von Belang wäre. Und gerade sie, Herr Regierungssprecher, haben uns allen keinen guten Eid geleistet, als sie damals bei allen Leichen im Keller naiv ins Boot der neuen Herrschaft gesprungen sind.“

Staatschefin: „Das stimmt. Du hast uns alle eingeseift mit den besten Grüßen der einflussreichen Funksender, weswegen wir dich jetzt bis zum bitteren Ende mitschleppen müssen.“

Der (gesichtslose) Büroherrscher: „Mit nachgereichten besten Grüßen füge ich nun noch ein Klopf, klopf hinzu. Da ich, Fridolin, die Einzelsequenz eines abartig großen Komplexes in dieser Angelegenheit das Wort und die Schrift ergriffen habe, möchte ich mich von Anfang an vergewissern, dass jedes Pünktchen und jedes Komma an der richtigen Stelle gesetzt ist. Nur mitunter einer einwandfreien Abhandlung aller vorgesehener Protokolle und deren vorhergesehenen Einhaltung gewähren mir das nächste Mal auf höherer Position zu dienen.“

Vorzimmerdame [aus dem Hintergrund]: „Herr Fridolin, sie haben einen Anruf auf Leitung drei. Es ist ihr Vorgesetzter.“

Fridolin, der Büroherrscher: „Ich komme sofort.“

Regierungssprecher: „Frau Staatskanzlerin. Merken sie denn nicht, dass sie sich immerzu von allen diesen bürokratischen Wichtigtuern verleiten lassen? Ohne meine Expertise wären wir längst ein einziges trauriges Symbol der Lächerlichkeit. Die ganze Industrie ist auf dieses Loblied eingestimmt.“

Staatschefin: „Immerzu sind es in den Bürgerrunden für das Fernsehen die Jugend von Heute und Morgen, die mir zu Schaffen macht.

Regierungssprecher: „Aber Frau Kanzlerin, Sie haben doch gar keine Kinder.“

Fridolin, der Büroherrscher (aus dem Hintergrund am Telefon): „Dem muss und darf ich beistimmen, Frau Oberste Chefin.“

Staatschefin: „Nun, dann berufen Sie mir eine Konferenz mit allen Großindustriellen, Medienvertretern und Zentralbanken und Banken ein. Wir müssen unser Schiff weiter so manövrieren, dass es in der Meerenge und zwischen den Klippen kein Zurück mehr gibt. Es ist Zeit für die globalisierte Alternativlosigkeit.“

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