Allgemein

Kettensägen und Magnolien

Foto: Aaron Burden on Unsplash

Sehr viele Menschen glauben an unser gegenwärtiges System. Doch dadurch geben sie sich mit allen „Werten“ dieses Systems zufrieden. Wir ackern, schuften und schaufeln uns unser eigenes Grab, statt Blumen zu säen und uns an ihren Blüten zu erfreuen. Dass immer mehr Menschen aufwachen, weil sie die systematische Unterdrückung des herrschenden Systems spüren, macht Hoffnung. Darin liegt der Keim, die derzeitige Sinnlosigkeit in des Kaisern neuen Kleidern zu erkennen:

Das Wort Kettensägen-Massaker begegnete mir erstmalig als Wortschöpfung im Englischen. Rund um die Jahrtausendwende kam ein Film mit dem Namen „The Texas Chainsaw Massacre“ in die Lichtspielhäuser. Ich sah den Film damals sogar in einem Filmtheater. An dem Abend lief der Film in der sogenannten „Sneak Preview“. Allein diese englische Wortkonstellation lässt bei einigen Filmfans das Adrenalin in die Höhe schnellen. Denn das bedeutete einen Abend, an denen man sich überraschen ließ. Abende, an denen vergeudete, gute oder sogar grandiose Zeit herauskäme. Die schönste Version bei einer solchen Sneak Preview war – und dürfte es auch noch sein– , wenn Moral und Anspruch mit einer kleinen Brise aus Feuer, Haut und Tanz zusammen kamen. All das traf auf den genannten Film leider gar nicht zu.

Medien und Gesundheit

Für mich hatten Medien jeglicher Art schon immer ihren ganz eigenen Reiz. Gegenüber den Gymnasien bin ich bis heute verdrossen. Denn um die Jahrtausendwende erachteten Lehrer das Thema „Medien – die vierte Gewalt?“ als wertlos. Keine zwei Doppelstunden im Leistungsfach der Politik und Wirtschaft, damals Gemeinschaftskunde, war es ihnen wert. Aus meinen letzten drei Schuljahren ist dies eine meiner stärksten Erinnerungen.

Ich glaube, es geht vielen von uns so. Noch wissen wir wenig darüber, wie weit mediales Leben reichen und uns dabei „aufsaugen“ kann. Währenddessen wird unseren Kindern schon sogenannte Medienkompetenz abverlangt, somit erscheint die Richtung unumstößlich. Dazu aber später.

Dennoch fragen wir uns gemeinsam oder meist doch mehr im Stillen: Kann es denn immer so weitergehen oder erkennen wir rettende Hintertüren?

Ich möchte nicht missverstanden werden, denn ich bewerte die verschiedenen zur Verfügung stehenden Medien nicht gleich. Natürlich schaue auch ich mal gerne in die Glitzerwelt rein und amüsiere mich oft über die Showmänner und -frauen. Aber die Dosis macht das Gift, sagt meine Hausärztin immer, und so werde ich – nach ehrlicher Selbsteinschätzung – noch nicht Teil der großen wilden, umherirrenden und doch brav vor dem großen „smarten“ Monitor sitzenden, medial versklavten Herde. Aber sind wir nicht alle eins? Bin ich nicht dennoch genauso versklavt oder werde es sogar noch viel stärker? Nun, jedenfalls kann ich nicht tatenlos zusehen. Schlussendlich verändern wir uns jeden Moment und somit liegt darin auch unser Potenzial, dass wir alle in der Theorie selbst bestimmt sind und dies in der Praxis lediglich anwenden müssen.

Einen Klassiker aus der Mottenkiste der Bücher alter Tage empfinde ich heute als ein nicht zu übertreffendes Geschenk aller Menschen und ihrer Kreativität. So viele haben indirekt oder direkt dazu beigetragen, durch Schriften gewisse Bilder im Kopf zu erzeugen. Lediglich durch Schriften auf Papier, also dem Übertragen eines Gedanken auf ein Dokument mit Grafit und Ton (also Bleistiften) entstand ein Klassiker menschlicher Geschichtsschreibung. Dank des Buchdrucks konnten Menschen schneller denn je anderen Menschen ihre Ideen mitteilen. Von da an erfreuten die Fantasie und die Gedanken weniger viele Menschen rund um die Erde. Mein kurzes Plädoyer für gute Bücher möchte ich damit schließen, dass ich – wie ich finde glücklicherweise – während der letzten Dekade neben Romanen nun auch meine Leidenschaft für Sachbücher entdeckte. Dabei denke ich beispielsweise an einen Klassiker von Jean Ziegler mit dem Titel „Imperium der Schande“. Vor allem möchte ich dem Autor meine Würdigung aussprechen, denn sein Buch ist für mich ein sehr Besonderes. Mein Lieblingsbuch desselben Mannes aus der Schweiz ist dennoch ein anderes: „Ändere die Welt“

Wenn der Vorhang fällt

Kommen wir zurück zu dem Film über das Kettensägen-Massaker. Dieser steht für mich sinnbildlich für das politische und wirtschaftliche Jetzt. Worin besteht für mich die Verbindung zur jetzigen Politik? Nach meiner Erinnerung handelt der Film von einer Gruppe heranwachsender Teenager, die sich irgendwo in den USA mit dem Auto auf den Weg in oder aus dem Urlaub machen. Sie fahren in den Wald und an entlegene Stellen, bis ein Vorfall ihnen den weiteren Weg erschwert. Die Spannung entlädt sich dann wenig später durch äußerst bösartige Menschen, die gerade an diesem Ort, zu dieser Zeit Ausschau nach Fremden halten, die sie massakrieren können – am liebsten mit der Kettensäge. Der Film reiht sich vom Genre her ein in ein sogenanntes „Splatter-Movie“. Zielgruppe waren in erster Linie Millionen heranwachsender Teenager, die sich von dem Film berieseln ließen, statt für die nächste Klausur zu lernen.

Heute und unter Einbezug des Wandels der Zeiten setze ich den Film über das Kettensägen-Massaker mit zahlreichen Darbietungen sogenannter Wirtschaftsweisen aus Deutschland gleich, die uns eine kurze, aber klare Sicht auf die Dinge in diesem Land geben. Wieso? Meine direkteste Antwort ist: Mir tut es im Herzen weh, wenn Personen sich in den Medien so darstellen, als seien sie von Natur aus liebevolle Menschen, dabei aber mitnichten authentisch sind. In diesem Kontext kann die Kettensäge für jeden etwas anderes sein. Doch gerade wenn Interviewte so massiv grundlegende, humanistische Leitideen ignorieren, fühlt es sich für mich wie viele, ohrenbetäubende und zugleich doch perfide, geräuschlose Kettensägen an.

Wehe dem, der mit den Fingern auf andere zeigt

Wir sollten uns scheuen, kleinlaut oder großkotzig auf den Anderen, beispielsweise den „dummen Amerikaner“ zu zeigen, der Trump gewählt hat. Und wir sollten uns nicht davor fürchten, Nazi genannt zu werden, wenn wir es nicht sind. Oder Antiamerikaner, Judenhasser oder gar ein Schaf. Nach „ihrer Meinung“ bin ich alles das, und dann? Ich sitze nicht am Hebel der Meinungsdrucker und implementiere Tag für Tag für Tag für Tag mehrere tausend Ideen über Feindbilder. Wenn eine Zeitung beziehungsweise ein Privat- oder Staatssender auf Jagd geht, dann ist der verlängerte Arm eines totalitären Staates auf Beutezug. Trump ist ebenso eine Marionette wie jede andere Person auf diesem Stuhl vorher. Sie meinen, sie hätten keine seidenen Fäden hinter ihm gesehen? Nun, Obama hat nicht nur unserer jungen Generation die Sicht ein wenig getrübt. Seine Schwingungen und jazzigen Bewegungen haben ein Überraschungsmoment mitgebracht, wodurch es wieder „en vogue“ geworden ist, einen noch exzentrischeren Mann an das Fußpedal des US-Imperiums zu lassen. Trump unterhält. Das Für und Wider im täglichen Klatsch muss doch schon eine Lebenskultur geworden sein. Gleicht es nicht schon einer fantasierten Fernsehshow, bei der wir für die Lacher genauso wenig sorgen wie in anderen Fernsehshows auch?

Ich erinnere mich noch an den Morgen nach Donald Trumps Wahl. Ich war mit anderen Kollegen zum Basketball verabredet. Eine mir nahe Kollegin prüfte während der Spiele mit ihrem Smartphone mindesten ein Dutzend Mal die Nachrichten und sagte immer wieder, sie könne nicht glauben, dass Trump gewählt worden war. Damals schon bewegte mich ihre Aufregung nicht und ich war sehr erstaunt darüber, dass Trump in dem Kopf meiner Kollegin mietfrei mitleben durfte. Zukünftig werden wir bei den Politikern in Deutschland wohl auch auf genau solche Charaktere stoßen.

Seit etlichen Jahren beobachte ich, wie sich in unserer Gesellschaft amerikanische Entwicklungen breit machen, meist mit etwa einer Dekade Verzögerung. Ohne Gewalt, ohne großes Getrommel, einfach als Nachahmung unseres großen Bruders. Deshalb sähe ich mich auch als Amerikaner, wenn es um meine Kultur ginge. Ich treibe einen dort erfundenen Sport gerne, höre US-amerikanische Musik, mein Essen und auch viele meiner Wörter und Denkweisen kommen von jenseits des Atlantik. Dafür bin ich dankbar und bestimmt auch mal stolz. Dennoch kann ich verstehen, wenn mich irgendwann einmal jemand einen Antiamerikaner nennen würde. Das ist noch nie passiert, aber man weiß nie. Vermutlich bin ich sogar ein Antiamerikaner im Selbsthass, da ich nur ein Kolonie-Amerikaner bin.

Aber das sind nur Bilder, die ich benötige, um mir selbst bewusst zu machen, dass ich mehr bin als ein Haufen Genmaterial. Letztlich müssen wir alle selbst entscheiden, wer wir sein wollen. Ganz unabhängig davon, ob mein Traum von einer steilen Karriere als Sozialisten-Anführer zerplatzte und ich zum Gegenteil mutierte, dazu noch nicht einmal das Wort Anarchie im Sinne der politischen Philosophie richtig gebrauchen kann. Oder dass ich der Idee von Gleichsinn und Gleichwohl folgte und nicht aufhörte zu suchen, um am Ende meiner Enkelin zu erklären, was denn am Kapitalismus so schlimm sei: Wir werden am Ende „nur“ das sein, was wir alle geworden sind, und alle werden das sein, was jeder Einzelne ist.

Wir sind nicht besser als irgendjemand, nur weil wir meinen, etwas verstanden zu haben. Dennoch vergleichen wir uns in den tagtäglichen Begegnungen mit jedem Gegenüber. So vergleichen wir den eigenen Standpunkt mit dem unseres Gegenübers und hinterfragen ihn. Dann geben wir oft ganz konkret dem anderen einen Ratschlag, den dieser persönlich nimmt, sich angegriffen fühlt und sich nie wieder meldet. Oder wir selbst ziehen uns lieber zurück. Genau in diesem Moment fragen wir uns sicherlich, ob wir mitschuldig sind an diesem Zerwürfnis, egal auf welcher Seite wir stehen. Nun, natürlich sind wir das. Aber wir können nicht erahnen, wie groß die Wunde ist, in die wir unsere Hand legten oder die wir jahrelang offen gehalten haben. Sollen wir also wirklich allen Ernstes ein Leben lang gehorchen und nicht provozieren, Konflikte vermeiden und funktionieren? Manchmal sind Situationen genau dafür da, um uns etwas nicht Erledigtes ins Bewusstsein zu holen. Wir ärgern uns über uns selbst – und schaffen es trotzdem nicht, den Sack voll unausgesprochener Wörter über die Schulter zu packen und zu tragen, um sie statt teurer Weihnachtsgeschenke an die Geliebten zu verteilen.

Wenn wir uns als Gesellschaft hinterfragen und neu aufstellen wollen, dann wäre es zunächst – im Politischen und später Poetischen – relevant zu erfahren, ob wir in Europa so friedlich weiterleben würden, wenn eine halbe Milliarde Asiaten das Leben führt, das wir zur Zeit führen und unsere Zeit als Wanderarbeiter gekommen ist. Können dann die „digital natives“ einen Weg der friedlichen Innovation finden, einen Weg, den wir einst als Dichter und Denkerinnen als den Königsweg des edlen Menschen gefunden zu haben schienen?

Dort, wo der stille Garten liegt,

Hat meine Mutter mich gewiegt;

Vielleicht – es ist so lange her –

Steht Garten, Haus und Baum nicht mehr.

Vielleicht geht jetzt ein Wiesenweg

Und Pflug und Egge drüber weg,

Von Heimat, Garten, Haus und Baum

Ist nichts geblieben als mein Traum.

(aus dem Gedicht „Traum“ von Hermann Hesse)

Am Ende bleibt die Hoffnung

Wenn am Ende nur noch die Hoffnung bleibt, dann ist das keine so schlechte Aussicht. Denn das bedeutet, dass ein Umdenken und damit auch ein Wandel stattfinden. So kann jeder Einzelne also nur noch hoffen, dass er einigermaßen wohlauf bleibt, den Humor und die Gutmütigkeit behält. Hoffnung zu verbreiten, sollte auch Ziel einer jeden Debatte sein. Ob sie im Rahmen der Politik geführt wird oder als Gespräch unter Freunden. Wann immer wir einem Makel begegnen, ob an uns oder unserem Gegenüber, wir haben immer die Wahl, so zu handeln, dass unsere Position etwas gerade rückt, statt weiter zu gehorchen und zu schweigen.

Die Kettensäge erinnert mich an die Tage brotloser Kunst auf Leinwänden, vor die ich mich gelegentlich immer noch setze, um mir ein Bild von der Welt zu machen – und um zu flüchten. Jedes Flüchten kann einen Frost, eine Eiseskälte bedeuten, sodass alle Blüten erfrieren. Die Frage nach dem nächsten Frühling und Sommer stellt sich noch gar nicht. Dennoch: Ich weiß nicht einmal, ob ich je wieder einen Frühling erleben darf. „Pflücken“ wir also schon mal jeden uns zur Verfügung stehenden Tag.

Hoffnungsvolles Potential

Wie traurig könnte man um die ersten Knospen der Magnolie sein, wenn sie nach den ersten warmen Frühlingstagen plötzlich starken Frost abbekommen und sich davon nicht mehr erholen. Es sollte nicht nur wehmütig stimmen, dass die Blüten der Magnolie ohnehin von kurzer Dauer sind im Vergleich zur sonstigen Pracht der Blüten, Blätter und Früchte um uns herum. Noch betroffener macht mich das verlorene Potenzial der Knospen, deren Leben der Frost genommen hat.

Noch ist Winter. Hoffentlich reicht am Ende der Blick weiter. Ich hole tief Luft, schaue auf und sehe durch das Fenster den nahe gelegenen Baum mit den seltenen Blüten. Gerade jetzt erscheint die Sonne hinter den grauen Wolken und beglückt die noch nackte Krone mit ihren tausend Strahlen.

Haus und Brot!

Werfen wir doch einmal einen Blick auf die Botschaft, die den Fernseh-Zuschauern in manchen Interviews vermittelt wird, beispielsweise in einem Interview mit Professor Hans-Werner Sinn auf dem Online-Kanal „Jung und Naiv“ um Tilo Jung. Mir fiel es schwer, das knapp zweistündige Interview gleich im ersten Anlauf komplett zu schauen. Am nächsten Tag klickte ich die Aufzeichnung des jungen, naiven Vorzeigeschülers aus Berlin-Mitte wieder an und schaute eine weitere Viertelstunde mit meiner Freundin. Sie reagierte auf das Interview ähnlich wie ich. Bei meiner Reaktion versuche ich, mir bewusst zu machen, dass sie aus meinem ganz privaten Echoraum stammt, und die Bewertung nicht zu verallgemeinern. Nun, am Ende entscheidet jeder Zuschauer selbst, ob es seine Zeit wert ist, diesem Menschen zuzuhören. Ich kann es nicht und werde es vorerst wohl nicht tun. Dennoch bin ich dankbar dafür, dass „mächtige“ Menschen mit dem jungen Interviewer reden. Genauso wie ich anderen Online-Portalen, wie zum Beispiel KenFM um jedes Interview dankbar bin, obwohl der Vergleich hinkt, da ich um ein Vielfaches mehr an Gesprächen mit Ken Jebsen sah als mit Tilo Jung. Michael Lüders und zweimal Richard David Precht sind meine Ausbeute beim Online-Kanal „Jung und Naiv“. Dennoch möchte ich keine Partei für irgend einen Kanalergreifen. Wichtiger als die Debatte um das bessere Online-Medium, die ich für völlig unwichtig erachte, ist die Tatsache, dass Sinn, Professor an der Universität Luzern, scheinbar wenig oder gar nichts von Jean Ziegler gelesen hat.

Zunächst einmal möchte ich beleuchten, weshalb das Interview auf mich ähnlich verstörend wirkte wie das Kettensägen-Massaker im Film „The Texas Chainsaw Massacreì.

Sinn machte Karriere als Wirtschaftsforscher und Pionier der neuen sogenannten sozialen Marktwirtschaft und erweist sich mit seinen Äußerungen auch als Neoliberaler. In ärmlichen Verhältnissen sei er aufgewachsen und sinngemäß als Sozialist und 1968er habe er sich auf den Weg gemacht, um den Kapitalismus zu retten. Er äußert sich dann relativ schnell über das politisch Gegenwärtige, also um Geringverdiener als bereits Verdammte und um reiche Bruttoverdiener mit mehr vom Netto, da der Staat von ihren Steuern im Verlauf der letzten Jahre immer weniger einbehält. Es geht um die Verneinung der Symbiose von Wohlstand und Würde und stattdessen um das Entweder-Oder-Dogma des „großen, weißen, weiß-bärtigen Mannes“. Der Satz darf blasphemisch verstanden werden.

Das Haus und Brot, was sich jeder verdiene, sei mit Schweiß und Gulasch erworben, so in etwa Professor Sinn. Er benutzte an zwei Stellen zu besonders interessanten Fragen ähnliche Redewendungen, die vermutlich dem Alltag germanischer Viehtreiber entstammen. Es zeugt wohl von zu langer Lektüre eines Arthur Schopenhauer, um so künstlich Recht zu behalten, wenn einem nichts Sinnvolles mehr einfällt.

Ich kenne weder Hans-Werner Sinn noch Tilo Jung persönlich. Ich beschreibe nur das Gefühl, das sie mit ihren Worten bei mir erzeugen. Zur Erklärung möchte ich noch einige kurze Fakten nennen, die mich zu diesem emotionsgeladenen Text veranlassten. Sinn lehnt das Grundeinkommen ab. Das überrascht nicht. Dennoch sollten sich diejenigen, die vermögend und trotzdem dem Neid verfallen sind, fragen, ob in einem hocheffizienten, post-maschinellen sowie neo-digitalen Zeitalter eine solche gesellschaftliche Sozialmaßnahme nicht allen Menschen zugute käme. Die bisherigen Gewinner des Systems müssten dann nicht ständig den „Mob da unten“ fürchten. Das Grundeinkommen käme am meisten den ärmeren Bevölkerungsschichten zugute, da die Menschen sich seltener in prekäre Arbeitsverhältnisse zwängen ließen. Jeder Mensch würde vor allem per se nicht mehr nach dem bewertet, was er „schafft“ und damit „hat“, sondern wer er „ist“.

Zudem stellt sich bei den jahrzehntelangen Effizienzsteigerungen unserer wirtschaftlichen Produktivität auch die rhetorische Frage: Ist ein überwältigender Großteil der von Menschen verrichteten Arbeit nicht einfach nur noch Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und in wenigen Jahren ohnehin nicht mehr gefragt?

Jedoch ist das Streben nach Glück im Konsum aktuell der Status quo. Dafür gehen Menschen dann arbeiten und lassen sich „weich“ ausbeuten mit Produkten, für die wiederum andere Menschen „hart„ ausgebeutet wurden. Ein bedingungsloses Grundeinkommen geriete in Konflikt mit unserem gegenwärtigen Konsumwahn. Gerade Menschen, die jede Woche 60 bis 70 Stunden arbeiten und sich privat nur noch mit einstudierten Maßnahmen erholen, könnten einen Spiegel vorgehalten bekommen. Es gäbe mit Sicherheit viele Menschen, die durch kleine Zusatzjobs wunderbar viel Zeit für das Leben übrig hätten. Die Wahrnehmung der Arbeit und des Lebens würde sich gesamtgesellschaftlich verändern. Nur leider machen solche Umwälzungen, deren Folgen nicht vorhersehbar sind, den meisten Menschen Angst – was dann in Erinnerung bleibt, ist die Neid-Debatte.

Logischerweise sprach sich Sinn auch gegen den derzeit geltenden Mindestlohn aus. Dieser entspricht als Kleinstmenge pro Stunde sowieso eher einem Spuck auf den Schuh, bevor der Schuhputzer am nächsten Straßeneck ihn wieder blitzblank aufpolieren soll. Aber nun gut, reden wir von den circa 40 Reichen, die im bevölkerungsreichsten Land in Europa soviel besitzen wie die gesamte, ärmere Hälfte der Einwohner Deutschlands, also knapp 40 Millionen.

Also besitzen zwei Großfamilien soviel wie ganz Berlin, Hamburg mitsamt Billstedt und Mümmelmannsberg, Kassel samt Baunatal, München „samt Bayern“ und Uli Hoeneß, Frankfurt am Main, Langen, Offenbach, Darmstadt bis hin zur Bergstraße und Mannheim, wenn wir schon mal dort sind, geht es weiter mit Wiesbaden, Mainz, den Rhein entlang bis Köln und vielleicht auch noch das Rhein-Ruhr-Gebiet inklusive aller „bösen“ Araber-Clans, aller Zigeuner und „schmarotzender“ Flüchtlinge und Ausländer.

Herr Sinn sieht in diesem krassen Bild nur das Zeichen eines funktionierenden Systems. Der Unterschied sind die Nullen. Zum Thema Armut äußerte Sinn, dass bloß die osteuropäischen Banden in den Städten um Geld betteln, die Deutschstämmigen fielen gar nicht so auf. Ich frage mich, ob ich mal eine Liste mit allen „Peters, Birgits, Volkers oder Renates“ erstellen soll, die an bitterkalten Nächten ein Loblied für ein wenig warmes Wasser aus der eigenen Leitung singen würden. Auch wenn für mich die Gedanken des Wirtschaftsprofessors keinen Sinn machen und meine Überlegungen sich von seinen fundamental unterscheiden, versuche ich zu vermeiden, ihn zu (m)einem Feind zu erklären.

Die reichsten Unternehmer und Kapitalisten dieser Welt sind eigentlich nur in der Hinsicht elitär, weil sie auf unmenschliche Weise Vermögen anhäufen und sich, trotz des indirekten Raubzugs an den Hungernden der Welt, als Philanthropen fühlen. Jede einzelne Person in diesem elitären Kreis hat sich sein derzeitiges Leben verdient. Verdient in dem Sinne, weil wir es diesen Menschen ermöglichen, ihr Leben auf diese doch im Kern verdorbene Weise zu führen. Mit jedem Augenblick, in dem wir bereit sind, noch so marginale Widrigkeiten in unserer Gesellschaft hinzunehmen, akzeptieren wir die Doktrin und letztlich den Reichtum weniger Menschen.

Narziß und Edelmut

Unsere Gesellschaft braucht ganz andere Ideale, um zu wachsen und aufzublühen: ein edelmütiges Bewusstsein wäre etwas. Den Zusammenschluss friedvoller Menschen sollte der Glauben an die eigene Bereitschaft zur Aufopferung stärken. Der Begriff edelmütig könnte in seinem tieferen Sinn von Buddha, Mohammed, Jesus oder Moses stammen. Auch wenn mir das als Jemand, der nicht religiös ist egal ist, sollten sich gerade die gläubigsten Buddhisten, Muslime, Christen oder Hebräer darüber Gedanken machen. Edelmütig zu sein, bedeutet das Leben in seiner Besonderheit erkannt zu haben und sich dafür aufzuopfern. Es bedeutet, dass man gerade erwacht, erwacht ist oder bestrebt ist, irgendwann zu erwachen. Es bedeutet also, dass man anfängt das Leben zu leben und nicht mehr bloß zu erleben. Ein edelmütiger und damit wohltätiger, gemeinnütziger, gütiger, nachsichtiger, milder und aufopfernder Mensch nimmt persönliche Nachteile in Kauf, um seinen Geschwistern im Geiste und damit auch sich selbst etwas Positives anstelle eines negativen Status quo zu ermöglichen. Aufopferung geht dabei nicht zwangsläufig mit Märtyrertum einher, sondern mit persönlichen Widrigkeiten, um dadurch negative in positive Gegenwart zu verwandeln.

Weiter dachte Goldmund: ein Geheimnis ist es, das ich liebe, dem ich auf der Spur bin, das ich mehrmals habe aufblitzen sehen […]. Es ist die Gestalt der großen Gebärerin, der Urmutter, und ihr Geheimnis […] besteht darin, daß die größten Gegensätze der Welt, die sonst unvereinbar sind, in dieser Gestalt Frieden geschlossen haben und beisammenwohnen: Geburt und Tod, Güte und Grausamkeit, Leben und Vernichtung.“

(aus „Narziß und Goldmund“ von Hermann Hesse)

Echte Intelligenz statt künstlicher Bildung

Um den Zustand zu beschreiben, in dem sich viele Menschen in unserer Gesellschaft befinden, greife ich auf den Hirnforscher Prof. Manfred Spitzer zurück. Er hat einen Großteil seines Lebens darauf verwendet, die Wechselwirkung zwischen Bildschirmzeit und Psyche zu erforschen. Von ihm stammen die Worte: Digitale Demenz und Cyberkrankheit. Sind wir nicht alle ein wenig verrückt geworden? Wie hat sich unser Leben plötzlich verändert. Wir kommunizieren anders, wir reichen weiter, ob privat oder öffentlich. Reichweite weltweit ist ein Touch, also eine kleine Berührung entfernt.

Und im Grunde stellt sich hier die Frage nach der Besonderheit unserer Spezies auf diesem Planeten. Wie selten zuvor verändert sich unser gesamtgesellschaftliches Wesen, unsere gedanklichen und emotionalen Gaben nutzen wir intuitiv eher für kurze Spannungsspitzen. In unseren Breitengraden fragen wir uns seltener als je zuvor, ob unsere Sichtweise noch geistreicher Weitsicht entspricht. Das stillschweigende Eingeständnis folgt prompt: Wir werden mit jedem Tag kurzsichtiger.

Stattdessen denken wir über die Medienkompetenz unserer Kinder nach. Diese lernen sie in der Schule, von Lehrern, denen der Ruf als Meister so manches Videorekorders vorauseilt. Wer in dem bisher beschriebenen Gesellschaftsgeist über Medienkompetenz nachdenkt, meint in allererster Linie eine Erziehungsmaßnahme. So soll es gelingen, die verkommene, politische Landschaft noch einigen weiteren Generationen schmackhaft zu machen. Andere leben in Filterblasen und orientieren sich an falschen Fakten, wir sind da natürlich die Ausnahme. Und zu allem Übel ist das letzte bisschen Privatsphäre schon längst verspielt. Wann ziehen wir den Stecker? Wann entziehen wir fremden Informationen ihre Allmacht? Wie ist es möglich in der Langeweile des Daseins nicht nur durch Film und Fernsehen das Leben eines Anderen zu leben, sondern selbst wirksam zu werden? Worauf möchte ich wirken und vor allem, was möchte ich bewirken? Ist Herrschaft über andere ein edelmütiges Ziel, um mich von der eigenen Zivilcourage loszureißen? Unabhängig von der politischen Agenda, der wir mehr oder weniger alle unterworfen sind, ist evolutionäres Gedankengut mehr denn je ein geeignetes Mittel, um als Mensch zu existieren. Sollte es nicht darum gehen, in uns hinein zu horchen? Was macht uns aus? Was wollen wir der Welt als eigenes Echo vermachen?

Evolution ohne Revolution

Wenn wir uns verändern, verändern wir die Welt. Manch einer wird dabei an Gandhi denken, manch einer an etwas Anderes. Aber die wenigsten denken dabei an sich, obwohl der Satz im Kern eine Selbstkritik darstellt. Viele denken vielleicht an sich, aber der Gedanke und das Gefühl dringen nicht durch die eigene Oberfläche. Als evolutionäres Gedankengut bezeichne ich all das, was uns das Fortleben in Harmonie mit der Welt und uns selbst ermöglicht. Das bedeutet eben nicht, sich von dem bisherigen Werdegang zu entkoppeln, jedoch auch nicht schweigend mitzumachen – aus Angst vor Verlusten und Opfern.

Wenn Menschen in einer klassischen Revolution Mauern niederreißen, mit Feuer und Mistgabeln Aggressionen verbreiten, kann eine Umwälzung zwar stattfinden. Aber das Opfer werden sie immer selbst sein, da sie damit die vorher verkündeten, freiheitlichen Prinzipien verraten und sich letztlich selbst hintergangen haben.

Wir haben den Markt erschaffen, um Handel zu treiben, so weit so gut. Auf dem Markt, dem Basar handeln wir heute alle Arten von Waren. Was ist der eigentliche Sinn der Waren und Dienstleistungen für uns? Sichern sie uns immer noch unser Überleben oder sind sie bereits zu einem Großteil dazu mutiert, unsere eigene Einfältigkeit zu überdecken? Evolution setzt ein neues Bewusstsein voraus, keine Unterordnung unter die Dinge, sondern eine grundlegende Beherrschung neuer Situationen und komplexer Zusammenhänge. An so einer Schwelle stehen wir. Dafür sind wahre Demut und Wehmut gute Ratgeber, nicht jedoch eine schnelle Dosis Medienkonsum. Ob beim Lesen, Anschauen oder Zuhören: Jeder, der nicht gerade neben oder vor uns sitzt, ist irreal. Behalten wir die Nähe zu echter Mimik, Gestik und Spannung, dann erlangen wir auch Distanz zu der digitalen Welt und können mit ihr morgen sowie übermorgen auskommen, ohne dabei selbst verloren zu gehen.

Wie Blüten gehn Gedanken auf,

Hundert an jedem Tag –

Laß blühen! laß dem Ding den Lauf!

Frag nicht nach dem Ertrag!

Es muß auch Spiel und Unschuld sein

Und Blütenüberfluß,

Sonst wär die Welt uns viel zu klein

Und Leben kein Genuß.“

(aus „Voll Blüten“ von Hermann Hesse)

Der Einzelne muss beginnen

Was die hier dargestellten Puzzleteile einer großen, menschlichen Herausforderung betreffen, so sind die Gedanken ein Augenblick im Leben eines Menschen. Das ist der größtmögliche Aufwind, den ich mitgeben kann. Mehr nicht und doch sollte – bei all den uns erschlagenden Nachrichten und Botschaften beziehungsweise Weisungen auf dieser Welt – die Aussicht auf Liebe und Geborgenheit in und um uns Mut machen. Auch das mag pauschal und zu platt klingen. Doch vermutlich nur in den Ohren derjenigen, die sich an das Schwarzweiß der sogenannten öffentlichen Meinung gewöhnt haben. Im Übrigen begegnet uns diese Meinung zwar im öffentlichen Raum, jedoch repräsentiert nie die Mehrheit der gesamten Öffentlichkeit.

Was die Grundproblematik der Massenmedien betrifft, so sollten wir nach den Blüten Ausschau halten. Wann immer wir an eine Kettensäge erinnert werden, sei es in einer Werbeeinblendung, einem Film, einem Video, einer Musikdatei oder in einer anderen Show. Da ist die Frage angebracht: Muss ich derartiges jeden Tag, jede Stunde und Jahr für Jahr sehen? Wenn wir uns dazu aber doch die Zeit nehmen, vergessen wir nicht die Blüten der Gegenwart.

Auf der Welt werden Menschen in Gefängnissen gefoltert, weil sie uns einen ehrlichen Einblick in die derzeitigen Kriege gegeben haben. Andere Meister derselben Klasse erläutern uns, unser gegenwärtiges System sei wasserdicht, ohne das wir ein unbedeutendes Wesen, ein Parasit wären. Es ist lustig, dass die allmächtige Lehre des Geldes ein Wertesystem ist, das uns Menschen jeden Selbstwert genommen zu haben scheint. Wie viel sind wir uns für das Leben selbst wert? Was bin ich mir selbst wert in einem gesellschaftlichen System, in dem mir ein vermeintlicher Wert diktiert wird?

Alle Tage rauscht die Fülle der Welt an uns vorüber; alle Tage blühen Blumen, strahlt das Licht, lacht die Freude. Manchmal trinken wir uns daran dankbar satt, manchmal sind wir zu müde und verdrießlich und mögen nichts davon wissen; immer aber umgibt uns ein Überfluß des Schönen. Das ist das Herrliche an jeder Freude, daß sie unverdient kommt und niemals käuflich ist; sie ist frei und ein Gottesgeschenk für jedermann, wie der wehende Duft der Lindenblüte.

(aus „Lindenblüte“ von Hermann Hesse, Erstdruck 1907 im Wiener Tagblatt.)

Verschenkter Glaube

Enorm viele Menschen glauben an unser gegenwärtiges System. Manchmal erkläre ich mir dieses Vertrauen damit, dass wir alle während unserer Kindheit und Jugend so entwertet wurden. Dadurch geben wir uns mit jedweden Gegenwerten des Systems zufrieden. Wir ackern, schuften und schaufeln uns unser eigenes Grab statt Blumen zu säen.

Dann versuche ich, die eingeschworenen Kapitalisten zu verstehen. Ich vermute, diese Menschen haben einen so hohen Bedarf, ihr Selbstwert über unser Wertesystem auszugleichen, dass sie die Besten und Genialsten in ihrem Fach werden. Um sie besser verstehen zu können, wollte ich die Printmedien dieser elitären Lemminge lesen. So griff ich zur Ausgabe des „Capital“ vom Dezember 2019. Der Untertitel lautete: „Wirtschaft ist Gesellschaft.“ Was ich erstaunlich fand, war die Bandbreite der Artikel, die Pleiten, Beinahe-Pleiten und Insolvenzverfahren zum Inhalt hatten.

Ein Beitrag unter dem Titel „Elite-Panelî enthielt Meinungen von sogenannten Top-Entscheidern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung, anschaulich illustriert mit Grafiken und Prozentsätzen. Für diese Damen und Herren hatte beispielsweise die Automobilindustrie im Vergleich zu anderen Faktoren wie dem Brexit nur einen sehr geringen Einfluss auf die sinkende Konjunktur.

Schließlich entdecke ich eine Kolumne des ehemaligen Chefredakteurs des Handeslsblatts, Bernd Ziesemer. Im letzten Absatz steht ein richtig guter Satz: „Sprache ist die Wirklichkeit des Denkens.“ Es ist ein Zitat. Ziesemer zitiert Ludwig Wittgenstein. Das machte mich kurzzeitig fassungslos. Dass ein Top-Ökonom einen Philosophen zitiert, hinterlässt bei mir ein mulmiges Gefühl. Ist dieser Satz nicht genauso präzise auf die Philosophie des gesamten Magazins anwendbar? Ist das Zitat nicht auch passend für die Agenda aller elitären Neoliberalen und „Konform“-Kapitalisten? Vermutlich ja!

Und so erkenne ich, dass alle kritischen Bewertungen in einem anderen Kontext auf Rubikon anwendbar wären oder andere alternative Medien. Immer dann, wenn jemand ein Thema von einem anderen Ideal aus bewertet. Vielleicht ist das ein Hinweis auf einen stets kritischen, also klassischen Journalismus. Insbesondere in Richtung der Zetsches, Bezos´, Ziesemers, Ackermanns und Sinns dieser Welt möchte ich eine Antwort geben, damit auch bei identischen Zitaten und überschneidenden Meinungen der Unterschied klar wird: Er liegt in der Ethik. Der Unterschied ist die Moralphilosophie, deren Inhalt das sittliche Verhalten des Menschen ist, und die alternative Medien fast ausnahmslos bei Themen rund um Politik und Wirtschaft als zusätzlichen Maßstab anwenden.

Genau in dieser vermeintlichen Nuance liegt meine persönliche Hoffnung. Dass wir Menschen in immer größerer Schar aufwachen, weil wir durch die systematische Unterdrückung zurück zu einer mitfühlenden Moral finden. Dann besteht wahrhaftige Hoffnung, dass wir uns aus der auslaugenden Einfalt losreißen.

Nein. Wir sind nicht frei. Mit Kaffee am Morgen fängt es an und mit Schlägen, wenn man ein Affe ist, und die Tränen der Mutter salzen den Kindern die Mahlzeit, und ihr Schweiß wäscht ihnen das Hemd, und man ist gesichert bis in die Eiszeit, und die Wurzel sitzt im Herz. Und ist er ausgewachsen und will etwas tun mit Haut und Haar, dann ist er bezahlt, eingeweiht, abgestempelt, verkauft zu hohem Preis, und er hat nicht einmal die Freiheit unterzugehen.“

[aus dem Drama „Im Dickicht der Städte“ von Bertolt Brecht, Uraufführung vor 97 Jahren]

Hoffnungen einer Zimmerpflanze

ich gebe euch ein zuhaus´,

doch von Natur aus

müsstet ihr raus.

vielleicht ich auch.

weniger eingesperrt,

das wäre nicht verkehrt,

denn von euch wurde ich gelehrt,

von euch werde ich genährt.

in der Sonne wir doch lachen,

im Regen endlich erwachen,

im Winde uns alle berühren,

im Mondschein unsere gedanken dann ruhen.

gebet mir ein zuhaus´,

denn von Natur aus,

müsste ich raus,

vielleicht ihr auch.

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Dieser Artikel erscheint in zwei Teilen im Online Magazin Rubikon

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